Stonehenge - ein Symboll für den Wandel von Wirtschaft

Stonehenge ist das Symbol für den erfolgreichen Umbau von der Mond-orientierten Jagdwirtschaft der Steinzeit zur Sonnen-orientierten Landwirtschaft. Auch die aktuelle Problem-Umgebung der Globalisierung der Wirtschaft ist ein Umbau den es zu bewältigen gilt. Die übliche modische Oberflächlichkeit aus Anglizismen und Models passt nicht zum Thema. Wir nehmen deshalb lieber diese alten Steine aus England als Symbol für den Stil unserer Beratung.

Der englische Anthropologe Lionel Sims beschäftigt sich seit langem mit den Menschen der Steinzeit. Die neuen Erkenntnisse lassen keinen Zweifel, in Stonehenge wurden die Grundlagen unserer heutigen Zivilisation geschaffen. Eine der wichtigsten Fragen lautet: "Was bewegte die Menschen, die Stonehenge schufen?". Eine Konstruktion von dieser Größe und dieses Alters musste von geradezu überragender, Bedeutung für ihre Schöpfer sein. Vor etwa 5000 Jahren wurde hier mit dem Bau begonnen. Mit Unterbrechungen dauerte er über 1500 Jahre.

Einige der riesigen Steine stammen aus den Preseli Mountains in Wales, bis zum Bauplatz in der Ebene von Salesbury in Südwestengland sind das fast 400 km. Aber die Bauweise von Stonehenge erklärt nicht, was die Menschen dazu trieb, so viel Zeit und Energie in ein Monument von derartigem Ausmaß zu investieren. Ob Druidentempel, steinzeitliches Planetarium oder Opferplatz, wer auch immer Stonehenge erbaute, er hatte ein festes Ziel vor Augen.

Nach gängiger Meinung diente der Steinkreis dem Sonnenkult. In der traditionellen Archäologie gilt eine Beziehung zur Sonne als allgemein anerkannt. Wurde Stonehenge vielleicht als Sonnentempel von den Druiden erbaut? Mehr als unwahrscheinlich, sie tauchten erst 300 vor Christus in der Geschichte auf. Tausend Jahre nachdem der Höhepunkt von Stonehenge überschritten war. Zu Zeiten der Druiden war Stonehenge bereits ähnlich verfallen wie heute.

Um zu verstehen, was die Menschen der damaligen Zeit bewegte, muss man sich vergegenwärtigen wann Stonehenge erbaut wurde. In der zweiten Hälfte der Jungsteinzeit am Übergang zur Bronzezeit. Die Altsteinzeit markiert das erste Auftreten des Menschen. Sie dauert bis etwa 10.000 vor Christus. Die nachfolgenden Perioden wechselten wesentlich schneller. Die Jungsteinzeit, in der die Menschen begannen, sesshaft zu werden, währte nur wenige tausend Jahre, bevor die Bronzezeit folgte, in der die ersten Metallwerkzeuge und Waffen auftauchten. Die Menschen der Jungsteinzeit lebten also in einer Periode, in der sich die sozialen Umwälzungen viel schneller vollzogen, verglichen mit tausenden von Generationen ihrer Vorfahren.

Während der Jungsteinzeit war die nördliche Hemisphäre wiederholt von gewaltigen Eisschichten bedeckt. Als Jäger und Sammler fristeten die Menschen eine ebenso raue wie kalte Existenz. Sie mussten Schritt halten mit den Herden der großen Pflanzenfresser und lebten immer in der Gefahr, selbst zum Opfer von Raubtieren zu werden. Vor 10.000 bis 11.000 Jahren, mit dem Ende der letzten Eiszeit änderte sich ihr Leben grundlegend. Mit der Klimaerwärmung zogen sich die Gletscher nach Norden zurück. Durch das Schmelzwasser stieg der Meeresspiegel an. Vor etwa 8.000 Jahren wurde Britannien vom europäischen Festland getrennt. Gegen Ende der Jungsteinzeit vor 10.000 Jahren starben die meisten der großen Tierarten aus. Das bedeutete das Ende der Großwildjagd. Wer also in der Mittel- und Jungsteinzeit überleben wollte, der musste sich an völlig veränderte Bedingungen anpassen. Es scheint so, als hätten die Menschen rund 5000 Jahre lang weiter versucht, als Jäger und Sammler zu leben um Ackerbau und Viehzucht zu vermeiden; aber das musste scheitern. Mit dem Verschwinden der großen Pflanzenfresser wurde die Jagt immer unergiebiger. Es war anstrengender, einen Hasen zu fangen, als ein Mammut. Aus Jägern wurden zwangläufig Bauern. Das Leben in der Jungsteinzeit unterschied sich erheblich von dem der altsteinzeitlichen Jäger und Sammler. Wochen und Monate vergingen mit dem Bearbeiten der Böden, dem Aussähen, dem Ernten und Lagern der Früchte und der Verarbeitung der Nahrung. Das Leben der jungsteinzeitlichen Bauern vor etwa 4000 Jahren war eine Schinderei, zumindest für eine Hälfte des Jahres. Was aber taten sie in der anderen Hälfte des Jahres?

Berry Kundiff, Professor für europäische Archäologie in Oxford ist eine führende Autorität in Sachen Jungsteinzeit. Er nimmt an, dass der radikale Wandel zu einer weit höheren Entwicklung der Menschen geführt hat, als früher angenommen. Der Beginn der Ackerbaukultur hat das Leben der Menschen wahrhaft verändert. Sie waren jetzt sesshaft und hatten mehr Zeit, vor allem im Winter. In dieser Zeit konnte sich soziales Verhalten frei entwickeln. Und nichts zeigt den gesellschaftlichen Fortschritt deutlicher, als die riesigen jungsteinzeitlichen Bauwerke, die überall in Nordwesteuropa entstanden. Viele haben, ähnlich wie Stonehenge, eine erkennbare Beziehung zur Sonne und vielleicht auch zum Mond. Und alle zeigen einen hoch entwickelten Stand der Technik, der bis dahin unbekannt war.

Der Schluss liegt nahe, dass sie alle für eine fundamentale Veränderung der damaligen Gesellschaft stehen. Zur gleichen Zeit, als die ersten Bauern in Nordwesteuropa ihr Land absteckten, begann man mit dem Bau der jungsteinzeitlichen Monumente wie Stonehenge. War dies der Anfang der Zivilisation? Nach neuerer Theorie begann die Kultur schon in den Zeiten der altsteinzeitlichen Großwildjäger, also einige tausend Jahre früher. Dennoch muss etwas sehr ungewöhnliches passiert sein, wenn weltweit, überall dort wo Bauern Land in Besitz nahmen, gleichzeitig mit der Errichtung monumentaler Bauwerke begonnen wurde.

Um 3000 vor Christus gewann das Individuum zunehmend an Bedeutung, im Tod wie im Leben. Europa war übersäht von Einzelgrabhügeln. Viele kann man heute noch erkennen. Doch welche Bedeutung hatte diese Entwicklung? Das ist ein westeuropäisches Phänomen und es deutet an, dass sich die Gesellschaft rasch von einem alten in ein neues System wandelte.

Wenn man so will, markiert dieser Sinneswandel etwa 2000 vor Christus das Ende der alten und den Beginn der neuen Welt, in der wir heute leben. Die Grabbeigaben aus einigen dieser Einzelgräber zeigen zwei wichtige Aspekte der gesellschaftlichen Entwicklung am Beginn der Bronzezeit. Einige Menschen hatten beachtlichen persönlichen Reichtum angehäuft und ein erstaunlicher Grad handwerklichen Könnens war erreicht.

Heute sehen wir die Errungenschaften und erkennen, dass einige dieser Regionen unglaublich innovativ waren. Man kannte die Bewegungen der Himmelskörper und die Wissenschaft war schon ziemlich weit entwickelt. Der Lauf des Mondes war sicher ebenso bekannt, wie der der Sonne und vieles deutet darauf hin, dass die Stämme Nordeuropas in enger Verbindung miteinander standen. Betrachtet man beispielsweise die Verbreitung von Töpferwaren, so erkennt man keine Abgrenzungen zwischen den Volksstämmen Europas. Die Volksstämme nördlich der Alpen hatten offenbar engen Kontakt untereinander.

Diese Entwicklung führte zu einem Ideen- und Materialaustausch quer durch Westeuropa, bei dem Wissen und Fertigkeiten ungeheuer schnelle Verbreitung fanden. In diesem Zusammenhang müssen wir heute Stonehenge sehen, als Markstein auf der Strecke zukunftsweisender Ideen und Innovationen. Wo auch immer sie herkamen, die Ideen, die zur Schaffung derart monumentaler Bauwerke führten, sie müssen mächtiger und prägender gewesen sein als alles zuvor.

Stonehenge steht mit seiner präzisen Konstruktion und den bautechnischen Raffinessen an der Spitze aller Monumente der Jungsteinzeit. Es ist nicht einfach nur ein Haufen Steine, einer über den anderen gelegt, es ist ein perfekt konstruiertes Bauwerk.

Einzigartig an Stonehenge ist ein Kreis aus 30 so genannten Sarsensteinen, die einen Ring aus liegenden Quadern tragen. Diese Steine passen sich im Bogen der Kreisform an. Im inneren dieses Kreises stehen die fünf Trilite, jeweils aus zwei Steinsäulen und einem quer liegenden Deckstein gebildet. Alle Blöcke wurden mit Steinwerkzeugen aus unregelmäßigen Felsblöcken gehauen. Die auf den Sarsenkreis liegenden Quader und die Decksteine der Trilite wurden durch Zapfen, Nuten und Federn in Position gehalten. Es gibt weit und breit absolut nichts Vergleichbares zu einem derartigen dreidimensionalen Verständnis; zur Planung und zu den enormen technischen Fähigkeiten findet sich keine parallele in Westeuropa.

Man musste schon die Gewissheit haben, etwas wirklich Wichtiges zu tun, was der Mühe wert war, und man brauchte zumindest eine klare Vorstellung vom Endergebnis. Irgendjemand musste diese Vision haben.

Hat man in Stonehenge vielleicht auch den lunaren, weiblichen Kult vergöttert ohne gleichzeitig der Sonne, also der männlichen Gottheit den Rücken zu kehren? Mit Beginn des Ackerbaus nahm die Bedeutung der Sonne und die des Mannes stetig zu. War möglicherweise der Unterschied zwischen Mond und Sonne, Frau und Mann Auslöser für den Bau dieser prähistorischen Tempel? Prof. Sims glaubt an eine Epoche radikaler, gesellschaftlicher Umbrüche, in der die ursprüngliche Harmonie zwischen Sonne und Mond, beziehungsweise zwischen Männern und Frauen in einen schweren Konflikt mündete.

Der Schlüssel zum Verständnis liegt im Lebensstiel der eiszeitlichen Jäger und Sammler, bevor sie sesshaft wurden.

Größere Jagten fanden vermutlich nachts statt und, weil das Überleben des Stammes vom Jagdglück abhing, war der Mond Führung und Inspiration für die Männer; ihm galt daher die Verehrung. Der Mond bestimmte den Lebensrhythmus. In hellen Mondnächten lieferte sein Licht einen klaren Jagdvorteil, die dunklen Mondphasen, um Neumond, waren Zeiten der Erholung und Paarung. Die Menschen lebten als Nomaden, ständig auf der Suche nach Nahrung, umfangreicher Besitz wäre dabei nur hinderlich gewesen. Ihre Bedürfnisse waren bescheiden und leicht zu befriedigen. Sie waren erstaunlich gesund und weitgehend frei vom sozialen Stress unserer Tage.

Dann kam der Klimawechsel, das Eis wich zurück und mit ihm verschwanden die großen Tiere, die den Menschen über 10.000 Jahre ernährt hatten. Jetzt musste er in nur wenigen Jahrhunderten lernen, seine Nahrung selbst zu erzeugen und das war alles andere als einfach. Der Übergang zur Sesshaftigkeit bedeutete aber keineswegs weniger Stress im Leben der Jungsteinzeit. Die Menschen waren nun mit monotoner und ermüdender Arbeit konfrontiert. Sie betrieben Ackerbau nicht, weil sie es wollten, um zu überleben hatten sie keine andere Wahl. Bei der Jagd kam es auf Teamwork und Erfahrung an, oft war sie spannend und aufregend und am Ende gab es Nahrung für jede und jeden im Überfluss. Jetzt aber war das Leben hart wie ein ausgetrocknetes Feld und ungefähr so aufregend wie eine Reihe Kohlköpfe. Eine Rübe zu ziehen gab nicht gerade einen Adrenalinstoss und genau so gesund wie einst waren sie auch nicht mehr, vielleicht durch die Zunahme an Kohlehydraten in der Nahrung oder durch die Nähe zu Haustieren.

Das Land, also der mühsam gepflegte Ackerboden bekam auf einmal einen Wert und die Menschen entwickelten allmählich ein Gespür für Eigentum. Allein dies veränderte die Gesellschaft nachhaltig, eine Gesellschaft deren Vorfahren noch gemeinschaftlich gejagt und gesammelt hatten und denen Landbesitz unbekannt war. Wie aber wirkten sich diese elementaren Veränderungen auf unsere prähistorischen Vorfahren aus?

Waren Stonehenge und andere Monumente der Jungsteinzeit der Versuch, die Vergangenheit der Mondverehrenden Jäger und Sammler wieder zurück zu holen? Die Menschen der Jungsteinzeit glaubten in diesen Monumenten eine Vergangenheit festhalten zu können, die unwiderruflich entschwand. Sie versuchten, die Erinnerungen an eine rituelle Verehrung des Mondes in diese Bauwerke zu binden, aber als Ackerbauern mussten sie jetzt dem Rhythmus der Sonne folgen. Vielleicht ist es so, dass die Menschen ihre missliche Lage auf die Aufgabe des Mondkultes zurückführten und auf die Hinwendung zur Sonne, der jetzt erzwungener Maßen ihre Verehrung galt, hing doch der Ernteerfolg von ihr ab.

Doch die vielleicht größte Bedrohung ging von anderen Menschen aus, denn jetzt gab es Besitz, besonders das Land. Und wer etwas besitzt, dem kann man es streitig machen. Aus Nachbarschaftsstreits wurden Kämpfe, dann erbitterte Schlachten und schließlich ganze Kriege.

Jeweils für sechs Monate vor und nach der kleinen Mondwende scheint das Licht des untergehenden Mondes einmal im Monat durch dieses Fenster und zwar immer am südlichen Wendepunkt. Für das gläubige Volk war dies der Beweis, dass die Sonne den Lauf des Mondes lediglich nachahmte. Das konnte nur bedeuten, dass der Mond immer noch die Vorherrschaft am Himmel hatte. Er war es, der durch das obere Fenster schien, und nicht nur einmal im Jahr, sondern jeden Monat. Der Mond, Wegweiser und Schutzherr so vieler Generationen regierte nach wie vor am Himmel, in perfekter Harmonie mit der Sonne. Das Monument führt klar vor Augen, dass die Sonne den Mond imitiert und umgekehrt. Beide Gotthei-ten sind ein und das Selbe. Für die Priesterkönige war es wichtig den Menschen, die über Generationen dem Mond gehuldigt hatten, zu zeigen, dass die Sonne den Job ebenso gut erledigte wie der Mond. Dazu brauchten sie eine Einrichtung, die das beweisen konnte, nämlich das die Sonne die gleichen Eigenschaften besaß wie der Mond. Sie wollten den Menschen die Hoffnung zurückgeben, indem sie sie überzeugten, dass ihr überlieferter Mondkult auch in der neuen Welt des Ackerbaus noch immer Gültigkeit besaß.

Es ist nur eine von vielen Theorien über Stonehenge, aber wenigstens eine, die zu den vorliegenden, archäologischen Befunden passt. Wie schon viele Generationen können auch wir Stonehenge auf unsere Weise sehen und jede Generation sieht das aus einem anderen Blickwinkel. Wir wissen, dass die Menschen der damaligen Zeit über perfekte Kenntnisse verfügten, wie sich Sonne und Mond bewegten und sie waren außerordentlich geschickt, Bauwerke zu erschaffen, die diese Bewegungen sichtbar machen konnten. Es ist also gut möglich, dass sie Stonehenge genau zu diesem Zweck errichteten.

Stonehenge und Avebury wurden Anfang der Bronzezeit vollendet, die Jungsteinzeit war zu Ende. Das Zeitalter der Metallwerkzeuge begann, mit neuem Ackergerät und neuen Waffen. Ab jetzt herrscht ständig Krieg und gnadenloser Wettbewerb.

Quelle: Wikipedia (gekürzt)